{"id":664,"date":"2012-08-01T09:34:41","date_gmt":"2012-08-01T08:34:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.postmortal.de\/blog\/?p=664"},"modified":"2015-06-14T08:50:51","modified_gmt":"2015-06-14T07:50:51","slug":"lebensende-mit-stil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.postmortal.de\/blog\/allgemein\/lebensende-mit-stil\/","title":{"rendered":"Lebensende mit Stil"},"content":{"rendered":"<p><strong>Transparenz in der Bestattungsbranche \u2013 Einblick und Durchblick f\u00fcr den Verbraucher, fair play im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Gastbeitrag von Andrea Palinkas<br \/>\nCSR- und Unternehmensberaterin \/ www.KOIKOM.de<\/p>\n<p>Ist das Bestattungswesen immer noch eine uneinnehmbare Bastion? Gestorben wird immer, so hei\u00dft es im Volksmund, also muss man sich in dieser Branche um die Nachfrage keine Sorgen machen. In den Untiefen der Bestatter-Foren wird dennoch gemurrt. Da gibt es die Quereinsteiger, die an dem Milliardengesch\u00e4ft mit dem Tod partizipieren wollen. J\u00fcngst schie\u00dfen die neuen Unternehmen sowie Zweigstellen etablierter Betriebe wie Pilze aus dem Boden, insbesondere in Regionen mit \u00fcberalterter Bev\u00f6lkerung. Die Neuen f\u00fcgen sich nicht so einfach in die zementierten Strukturen unter<br \/>\nOberaufsicht des Bundesverbandes der Bestatter. Es w\u00e4chst der Wettbewerb. Wettbewerb bringt Bewegung. <!--more-->Wer sich dabei eher als Zuschauer versteht, sollte schnell<br \/>\ndie Position wechseln, sonst rollt der Zug der Zeit \u00fcber ihn hinweg. Fr\u00fcher konnten<br \/>\nBestatter fast wie Angestellte vor sich hin arbeiten. Manche tun es noch heute.<br \/>\nUnternehmerisches Denken und Handeln war nur in Ma\u00dfen gefragt. Es gab ein Angebot,<br \/>\ndas hie\u00df: Friedhof und Erdbestattung. Unter gro\u00dfem Widerstand wurde die Ein\u00e4scherung<br \/>\neingef\u00fchrt Anfang des 19. Jahrhunderts und allm\u00e4hlich insbesondere in den Gro\u00dfst\u00e4dten<br \/>\ndurchgesetzt. Die Gegnerschaft der r\u00f6misch-katholischen Kirche reichte bis in die 1960er.<br \/>\nDie Bestatterbranche tut sich offensichtlich schwer mit neuen Ideen.<br \/>\nWeitere Innovationen stehen im Raum, da die Rahmenbedingungen nicht so erstarrt sind,<br \/>\nwie die Strukturen unbeweglich erscheinen. Selbst in einer scheinbar krisensicheren<br \/>\nBranche. L\u00e4ngst haben die Bestatter f\u00fcr sich PR-Strategen eingesetzt, die sie in Kochund<br \/>\nTalkshows seri\u00f6s und harmlos erscheinen lassen sollen. Werden doch in den<br \/>\nMedienberichten immer wieder einige Schwarze Schafe thematisiert, die dadurch die<br \/>\nganze Branche in Verruf bringen. So klagen zumindest die Vertreter der Bestatter. Machen<br \/>\nsich die Journalisten, durchaus seri\u00f6ser Zeitungen und Fernsehsender ihr Gesch\u00e4ft zu<br \/>\neinfach, indem sie sich seit Jahren immer wieder mit Hintergrundberichten nur auf<br \/>\neinzelne Misset\u00e4ter beziehen?<\/p>\n<p>Solche Aufrei\u00dfer wie man derartiges im Fachjargon nennt, k\u00f6nnen vielleicht einmal<br \/>\nvorkommen, sofern das Thema leserrelevant erscheint, doch das Prinzip ist eher<br \/>\nBoulevardmedien zuzuordnen und nicht seri\u00f6sem Journalismus, erst recht nicht \u00fcber<br \/>\nJahre hinweg. Hier geht es offensichtlich um mehr, n\u00e4mlich um eklatante Missst\u00e4nde, die<br \/>\noffensichtlich nicht sein sollten. Anstatt l\u00f6sungsorientiert die Missst\u00e4nde zu beseitigen wird<br \/>\ngern der Mantel des Schweigens oder die Schuldverschiebung als Reaktionsmuster<br \/>\nbem\u00fcht. Das Internet ist f\u00fcr Fallbeispiele ein ergiebiger Lieferant. Es ist ja so bequem, die<br \/>\nVerantwortung auf andere abzuschieben.<\/p>\n<p>Einige der Dienstleister rund um das Lebensende haben sich von der \u00d6ffentlichkeit<br \/>\nunbemerkt zum Gro\u00dfunternehmen mit klassischen Strukturen entwickelt und machen<br \/>\nUms\u00e4tze in H\u00f6he mehrstelliger Millionen Euro j\u00e4hrlich. Gern werden kleine Unternehmen,<br \/>\ndie betriebswirtschaftlich und unternehmerisch nicht so kreativ sind, aufgekauft und vom<br \/>\nErscheinungsbild erhalten. Der Kunde k\u00f6nnte ja abgeschreckt werden, wenn er sich<br \/>\nbewusst wird, dass das Versprechen des liebevollen sich K\u00fcmmerns weniger von<br \/>\nN\u00e4chstenliebe als vom Blick auf die rollende M\u00fcnze getragen ist.<br \/>\nDas Vorgehen entspricht modernem Marketing und ist per se nicht verwerflich. Eine<br \/>\neingef\u00fchrte Marke und sei es nur das Gesch\u00e4ft auf dem Dorf, kennt man, zumindest<br \/>\nglaubt man das und vertraut ihr deshalb. Das bedeutet Gesch\u00e4ftsabschluss und<br \/>\nKundenbindung. In anderen Branchen ist dieses l\u00e4ngst ein alter Hut. Und f\u00fcr den Kunden<br \/>\nkann dies durchaus auch angenehm sein, gibt es doch etwas Orientierung in einer immer<br \/>\nkomplexer werdenden Welt, zumindest die Illusion davon.<\/p>\n<p>Ein Blick in den Alltag:<br \/>\nIst ihr Fr\u00fchst\u00fccksbr\u00f6tchen noch vom B\u00e4cker, der mitten in der Nacht aufsteht und aus<br \/>\nhochwertigen Zutaten das Produkt selbst von A-Z herstellt? Oder steckt vielleicht hinter<br \/>\ndem Markennamen bereits eine Gro\u00dfb\u00e4ckerei, die mit viel Chemie nicht nur ihre<br \/>\nGeschmacksnerven sabotiert, sondern auch ihre Gesundheit?<br \/>\nDas Prinzip ist nicht verwerflich, kritisierenswert ist es dann, wenn keine Transparenz<br \/>\nherrscht in Bezug auf Hintergr\u00fcnde, die f\u00fcr den Verbraucher relevant sind. Der Kunde hat<br \/>\nein Recht auf diese Transparenz. Er wird durch die Inanspruchnahme einer Dienstleistung<br \/>\noder den Kauf eines Produktes mitverantwortlich und schlimmstenfalls Mitt\u00e4ter.<br \/>\nStil statt still<\/p>\n<p>In der Bestatterbranche ist das Thema Transparenz einer der gro\u00dfen kritischen<br \/>\nBezugspunkte. Zum Einen bezieht sich die Kritik auf die Preisgestaltung. Findige junge<br \/>\nUnternehmer haben aus einem Hochschulprojekt heraus im Internet einen Preisrechner<br \/>\netabliert und aus der Branchenkritik ein eintr\u00e4gliches Gesch\u00e4ft positioniert. F\u00fcr Bestatter,<br \/>\ndie sich der Preistransparenz verpflichten, wurde ein sehr eintr\u00e4glicher Wettbewerbsvorteil<br \/>\ngeschaffen. Der Nutzer kann so Angebote vergleichen und den g\u00fcnstigsten Bestatter f\u00fcr<br \/>\nseine Bed\u00fcrfnisse finden.<br \/>\nDer g\u00fcnstigste ist nicht zwangsl\u00e4ufig der Billigste und nicht immer der Qualitative. Auf<br \/>\npostmortal.de hat Herr Bruns sich \u00fcber Jahre hinweg ehrenamtlich die M\u00fche gemacht und<br \/>\ndie Missst\u00e4nde der Branche mit unz\u00e4hligen Beispielen belegt, auch die positiven Seiten,<br \/>\nden Attacken seitens der Branche zum Trotz.<br \/>\nNicht so einfach ist es f\u00fcr Herrn Emde, den Rebell aus M\u00fcnchen, der Furore mit seinen<br \/>\n\u00e4sthetischen Volx-S\u00e4rgen gemacht hat. Wie der VW seinerzeit das f\u00fcr jeden<br \/>\nerschwingliche Auto sein sollte, soll sich jeder auf seinem letzten Weg einen soliden und<br \/>\nvor allem sch\u00f6nen individuellen Sarg leisten k\u00f6nnen. Das geht vorerst nicht mehr. Parallel<br \/>\nthematisiert sein Blog bestattungen-transparent.de eine fehlende Preistransparenz in den<br \/>\nAngeboten und Kalkulationen. Damit trat er offensichtlich auf den einen oder anderen Fu\u00df<br \/>\nund sah sich vor Gericht wegen unlauterem Wettbewerb.<br \/>\nDiese Praxis, kritische Stimmen zum Schweigen bringen zu wollen, ist auch Herrn Bruns<br \/>\nnicht unbekannt. Hat er doch den Vorteil, nie ein Teil dieser Branche gewesen zu sein,<br \/>\nsondern die Stimme des kritischen Verbrauchers. Das Gesch\u00e4ft mit den sch\u00f6nen S\u00e4rgen<br \/>\nruht. Hoffentlich zum Wohle der Allgemeinheit nicht die Stimme von Herrn Emde. Er<br \/>\nm\u00f6chte ein Transparenzsiegel etablieren und braucht daf\u00fcr die Bestatter.<br \/>\nMit etwas Recherche lassen sich Berichte finden, \u00fcber Rechnungspositionen, die nicht<br \/>\ntransparent sind und nicht \u00fcber den Bestattungsrechner ermittelbar. Es soll vorgekommen<br \/>\nsein, dass Kerzen in Rechnung gestellt werden, die als neue Kerzen preislich angesetzt<br \/>\nwaren, in der Realit\u00e4t werden diese Kerzen bei der n\u00e4chsten Bestattung wieder verwendet<br \/>\nund wieder mit Neuwert in Rechnung gestellt. Das w\u00e4re in etwa vergleichbar mit dem<br \/>\nB\u00e4cker, der sein Brot in H\u00e4lften verkauft und von jedem K\u00e4ufer den Preis f\u00fcr das ganze<br \/>\nProdukt verlangt. Im Sinne der Transparenz und dar\u00fcber hinaus im Sinne eines<br \/>\nverantwortlichen Umgangs mit Ressourcen und der Umwelt ist die Weiterverwendung der<br \/>\nKerzen sogar begr\u00fc\u00dfenswert, wenn der Kunde informiert ist und entsprechend auch nur<br \/>\nden tats\u00e4chlich genutzten Anteil zahlt. Wer eine neue Kerze zahlt, sollte entsprechend<br \/>\neine neue Kerze bekommen.<\/p>\n<p>Gerne werden Kostenpositionen in \u00fcberh\u00f6hte Sargpreise integriert. Verbrauchert\u00e4uschung<br \/>\nliegt dann vor, wenn wie im Blog bestattungen-transparent.de beschrieben, nicht<br \/>\naufgeschl\u00fcsselt ist, dass dies ein Paketpreis darstellt und was darin enthalten ist. Der<br \/>\nVerbraucher hat nicht nur das Recht, zu erfahren, wof\u00fcr er zahlt, sondern auch, ob er<br \/>\ndiese Leistungen \u00fcberhaupt in Anspruch nehmen will. Doch schon allein durch den Einsatz<br \/>\ndes Bestattungskostenrechners ist es m\u00f6glich, sehr viel Geld zu sparen, wie dort<br \/>\nausgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Bestattungen.de wie auch bestattungsplanung.de und friedhofsgeb\u00fchren.org sind Portale<br \/>\nder serial Entrepreneure Daniel Gr\u00f6tzinger, Sven Schmidt und Fabian Schaaf also<br \/>\nmoderner Gr\u00fcnder, die ihre Gesch\u00e4fte vorzugsweise im Internet betreiben.<br \/>\nGenerell ist im Sinne von Transparenz f\u00fcr den Verbraucher zu beachten, dass er sich nicht<br \/>\nvon so genannten Kundenmeinungen und -empfehlungen verleiten l\u00e4sst, da Herr M\u00fcller<br \/>\naus Berlin 2012 durchaus eine Kunstfigur aus der Feder des Portalbetreibers oder Autors<br \/>\nsein kann. Die Existenz und Seriosit\u00e4t der Aussagen dieser in der Werbung als<br \/>\nTestimonials bezeichneten Zeugen ist nicht \u00fcberpr\u00fcfbar, was ebenso f\u00fcr die Abbildungen<br \/>\nvon Personen gilt. Fakes also Kunstfiguren als Testimonials sind eine verbreitete in den<br \/>\nKreisen der Entrepreneure offen diskutierte Praxis, was es nicht seri\u00f6ser macht. Hier gilt<br \/>\nwieder, dass der Verbraucher ebenso in der Pflicht ist, denn, was er wei\u00df, macht ihn nicht<br \/>\nhei\u00df!<\/p>\n<p><strong>Politik in der Pflicht<\/strong><\/p>\n<p>R\u00fcckendeckung bekommen die Verbraucher und die seri\u00f6sen Unternehmen durch die<br \/>\nInitiative des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziales (BMAS) unter Leitung von Frau<br \/>\nvon der Leyen, die Anfang 2012 im Rahmen einer Auftaktveranstaltung das Programm zur<br \/>\nImplementierung von CSR in KMU offiziell anschob. CSR, Corporate Social Responsibility,<br \/>\nbasiert auf internationalen Vereinbarungen mit einer Reihe von Regeln, die f\u00fcr<br \/>\nAktiengesellschaften verbindlich sind, f\u00fcr kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen (KMU)<br \/>\nnoch freiwillig. Seitens der EU nimmt der Druck zu, KMU mehr in die Pflicht zu nehmen.<br \/>\nDiese Regeln der CSR werden auch unter dem Begriff Nachhaltigkeit gerne umschrieben<br \/>\nund bedeuten letztlich nichts anderes als die \u00dcbernahme gesellschaftlicher Verantwortung<br \/>\ndurch Unternehmen. Die Basis bilden drei S\u00e4ulen: \u00d6konomie, \u00d6kologie und Soziales.<br \/>\nDarauf fu\u00dfen sieben Grunds\u00e4tze wie: Rechenschaftspflicht, Transparenz, ethisches<br \/>\nVerhalten, Achtung der Interessen von Anspruchsgruppen, zu denen unter anderem die<br \/>\nKunden geh\u00f6ren ebenso wie Lieferanten und Anwohner.<br \/>\nAchtung von Recht und Gesetzgebungen w\u00e4re ein weiteres Kriterium. Die<br \/>\nGesetzgebungen rund um das Bestattungswesen sind mehr als antiquiert im Vergleich zu<br \/>\nzeitgem\u00e4\u00dfer Handhabung in Nachbarl\u00e4ndern und dar\u00fcber hinaus unangemessen. Sie sind<br \/>\nL\u00e4ndersache und die Kommunen verdienen gut, wenn die Verordnungen wie die Pflicht<br \/>\nzur Erdbestattung erhalten bleiben. Etabliert hat sich zur Aushebelung dieser von Kunden<br \/>\nungeliebten Vorgabe gar Kurioses.<br \/>\nBestatter werden in ihrem komplexen Dienstleistungsangebot nun auch zu<br \/>\nTouristikunternehmern, die alles anbieten, von Trauerwandern bis zur Bestattungsreise<br \/>\nnach Tschechien, in die Schweiz oder f\u00fcr die Nordlichter attraktiv, das benachbarte<br \/>\nHolland.<br \/>\nGab es nicht in den 1970ern hierzulande den Slogan: Wir wollen nicht mehr nach Holland<br \/>\nfahren?! Selbstverst\u00e4ndlich beinhaltet dies keine Ressentiments gegen unsere reizenden<br \/>\nNachbarn. Vielmehr deutet dies auf Missst\u00e4nde in der Gesetzgebung bei uns. Eine Urne in<br \/>\nder Schweiz f\u00fcr ein paar Tage vergraben, ein paar Formulare, die ihre Erdbestattung<br \/>\nbest\u00e4tigen und schon kann die Asche von Tante Frieda auf den deutschen Kaminsims<br \/>\nreimportiert werden.<br \/>\nAuch hier geht es wieder um Transparenz. Die L\u00e4nderhaushalte sind stark angeschlagen<br \/>\nund manch einer ist vom Pleitegeier umkreist, da m\u00f6chte man auf die Einnahmen rund um<br \/>\nden Todesfall nicht verzichten. CSR gilt nicht nur f\u00fcr Unternehmen, sondern f\u00fcr alle<br \/>\nOrganisationen gleicherma\u00dfen und somit nicht minder f\u00fcr die Politik.<\/p>\n<p>30.07.2012<br \/>\nAndrea Palinkas<br \/>\nCSR- und Unternehmensberaterin \/ www.KOIKOM.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Transparenz in der Bestattungsbranche \u2013 Einblick und Durchblick f\u00fcr den Verbraucher, fair play im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen. 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